Streitschlichter an der Grundschule Sinzing

Vielleicht sind Ihnen im Schulhaus oder auf dem Pausenhof schon Schüler mit gelben T-Shirts oder Warnwesten begegnet. Das sind unsere Streitschlichter.
Im Folgenden wollen wir Ihnen alles Wissenswerte über das Thema „Streitschlichter an der GS Sinzing“ vorstellen.
Was sind eigentlich Streitschlichter?
Streitschlichter sind eigens dafür ausgebildete Schüler, die bei Streitigkeiten und Konflikten zwischen Mitschülern vermitteln und bei einer Lösungsfindung unterstützend zur Seite stehen. Es geht also nicht darum, einen Schuldigen zu suchen oder ein bestimmtes Verhalten vorzuschreiben. Jede Streitschlichtung beruht auf Freiwilligkeit der Beteiligten und einer absoluten Vertraulichkeit.
Warum überhaupt Streitschlichter?
„Im Sinne der obersten Bildungsziele der Bayerischen Verfassung achten die Schüler ... die Würde anderer Menschen in einer pluralen Gesellschaft. Sie üben Selbstbeherrschung, übernehmen Verantwortung und zeigen Hilfsbereitschaft. Sie gestalten Beziehungen auf der Grundlage von Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Toleranz und Selbstbestimmtheit; sie haben Respekt vor anderen Standpunkten und sind fähig, Kompromisse zu schließen, die der Gemeinschaft nützen.“(aus: LehrplanPLUS Grundschule in Bayern)
An unserer Schule nehmen wir den Bildungs- und Erziehungsauftrag ernst. Wir haben uns in unserem Leitbild „Gemeinschaft erleben – Verantwortung übernehmen – lehren und lernen“ u. a. dafür ausgesprochen, auf gegenseitige Wertschätzung und einen respektvollen Umgang miteinander zu achten.
Mit der Ausbildung von Streitschlichtern unternehmen wir einen weiteren Schritt, diesem Ziel Rechnung zu tragen.
Wenn viele Kinder unter einem Dach gemeinsam leben und lernen, ist es völlig normal, dass es auch immer wieder zu Streitigkeiten und Konflikten kommt. Die meisten Kinder sind es gewöhnt, dass Auseinandersetzungen zu Hause von Eltern, in der Schule von Lehrern geschlichtet werden.
Wir versprechen uns viele Vorteile, wenn nun ausgebildete Schüler ihre Mitschüler beim Lösen von Konflikten unterstützen:
Nicht nur die Streitschlichter, sondern die ganze Schülerschaft lernt,
- Verantwortung für ihr eigenes Verhalten zu übernehmen.
- sich zunehmend in andere einzufühlen.
- bei Streitigkeiten selbstständig eine friedliche Lösung zu finden.
Zudem gehen wir davon aus, dass
- Kinder Kinder manchmal besser verstehen können als Erwachsene.
- sich manche Kinder u. U. mehr öffnen, wenn Sie wissen, dass Lehrer und Eltern nichts von
ihrem Konflikt erfahren. Bei dieser Art der Konfliktlösung übernehmen Kinder oftmals eine sehr viel höhere Verantwortung für die Einhaltung der vereinbarten Regeln als bei Lösungen, die Lehrer oder andere Erwachsene für sie gefunden haben.
- das Selbstvertrauen der Kinder gestärkt wird, wenn sie erfahren, dass sie in der Lage sind, Auseinandersetzungen selbstständig zu klären.
Eine gute Streitkultur kann man lernen, üben und pflegen. Dieser Aufgabe wollen wir uns stellen.
Ziel ist ein harmonisches Miteinander aller Mitglieder der Schulfamilie als Grundvoraussetzung für erfolgreiches Lernen.
Ausbildung der Streitschlichter
Im zweiten Halbjahr des Schuljahres werden in einem Losverfahren unter den interessierten Drittklässlern zwölf Bewerber und Bewerberinnen ausgewählt. Diese werden in einer nachmittäglichen Arbeitsgruppe in ca. 10 Einheiten zu Streitschlichtern ausgebildet.
Die Inhalte der Ausbildung, die in spielerischen Übungen und Rollenspielen trainiert werden, sind u.a.:
- Gefühle
- Eisbergmodell
- Ich-Botschaften
- Aktives Zuhören
- Körpersprache
- Gesprächsführung
- Durchführung von Schlichtungsgesprächen
- Sozialtraining
Mit großer Begeisterung nehmen die angehenden Streitschlichter an dem Kurs teil. Zum Schluss beweisen sie ihr Wissen und Können erfolgreich in einer Abschlussprüfung. In den letzten beiden Wochen des Schuljahres dürfen die ausgebildeten Schüler bei den vorherigen Streitschlichtern ein Praktikum machen. Dabei erhalten sie wertvolle Tipps und Tricks zur Durchführung des Streitschlichterdienstes. Natürlich wird die bestandene Prüfung auch gefeiert – bei einem gemeinsamen Eisessen.
Einsatz/Aufgaben der Streitschlichter
Jedes Schuljahr sind 12 ausgebildete Streitschlichter im aktiven Dienst.
Pausenhofdienst:
Immer 2 Streitschlichter befinden sich in jeder Pause am Pausenhof und achten auf streitende Kinder => bei Auseinandersetzungen bieten sie Hilfe bei der Konfliktlösung an.
Die Schüler erkennen sie an ihren gelben Warnwesten mit unserem Streitschlichterlogo.
Ablauf einer Streitschlichtung
- Begrüßung
- Regeln: Streitschlichter erklären die Regeln für die Schlichtung (Gesprächsregeln, Vertraulichkeit – alle Beteiligten sind zur Verschwiegenheit über das Gesprochene angehalten...)
- Was ist passiert? (Beide Streitende erzählen den Streit aus ihrer Sicht.)
- Aktives Zuhören: Streitschlichter wiederholen das Gesagte, fragen nach, ob sie alles richtig verstanden haben.
- Wie hast du dich gefühlt? Wie fühlst du dich jetzt?
- Lösungsfindung: Wir suchen eine gemeinsame Lösung/Vereinbarung, mit der beide Streitenden einverstanden sind.
- Friedensvertrag/Termin für Nachtreffen
So geht es weiter:
Mit den derzeit eingesetzten Streitschlichtern gibt es Anfang des Schuljahres einige Treffen zum Vertiefen des Gelernten, zur Reflexion u.v.a.m.
Außerdem finden immer wieder kurze Besprechungen statt, wenn es Gesprächsbedarf oder Probleme gibt.
Auch im nächsten 2. Halbjahr findet das Bewerbungs- und Auswahlverfahren für die Drittklässler statt, die dann im nächsten Jahr als Streitschlichter zum Einsatz kommen.
Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem „Streitschlichter-Projekt“!


